Anwalts-Haltung

Die Grundlegungen des rechtsanwaltlichen Selbst-Verständnisses gehen aber über reine Rechtspflichten, die durch Gesetze allein gestaltet werden könnten, weit hinaus: Standes- und berufsrechtliche Regeln, die sich die Rechtsanwälte selbst geben, stellen nicht – wie viele sie gern sehen würden – Beschränkungen des freien wirtschaftlichen Wettbewerbs dar, die zu Lasten des Klienten gehen, sondern ganz im Gegenteil im Ideal-Fall moralische Ansprüche an einen Beruf mit höchster Verantwortung, die zum Schutz des Mandanten über das hinaus gehen sollen, was rechtlich regelbar ist.

Was im angelsächsischen Sprachraum unter “professional ethics“ verstanden wird, kann dabei nach unserer Auffassung nicht alles gewesen sein: Zweifellos hängt gerade beim Dienstleister sehr viel von einer funktionierenden Organisation des Unternehmens in seinem Aufbau und den Abläufen darin ab, und es bedarf keiner gesonderten Erwähnung, dass etwa die lückenlose Einhaltung von Fristen und Terminen die Grund-Voraussetzung einer Kanzlei mit Qualität darstellt.

Dazu muss aber, wie wir glauben, nach etwas anderes kommen, das als Pendant zur Freiheit des freien Berufs im Außen-Verhältnis seine Ausübung im innen-Verhäktnis zum Schutz des Klienten auch sehr weit gehend beschränken kann; Was der Begriff „Berufs-Ethos“ im Deutschen beschreibt, reicht nach unserem Verständnis weit über reines Qualitäts-Management im Sinne der üblichen Zertifizierungen hinaus, weil es mit einer anderen Ordnung menschlichen Zusammenlebens in Berührung kommt – der moralischen nämlich: Anwalts-Haltung muss immer auch Anwalts-Moral sein.

Eben weil nämlich absolutes Vertrauen durch Rechts-Vorschriften allein nicht geschaffen werden kann, muss ein guter Rechtsanwalt nicht nur die relevanten Normen kennen, sondern auch ein Höchstmaß an persönlicher Integrität erreichen. Wer als Anwalt niemals vergisst, dass allein der Klient seine Existenz-Grundlage darstellt (und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht!), und deshalb ausschließlich dessen Wohl im Auge hat, muss umgekehrt auch in Kauf nehmen, nicht jedermanns Freund sein zu können, wenn es – wie in der Rechtsvertretung oft – um gegenläufige Interessen geht. Meistens stehen wir Rechtsanwälte auf einer Seite, weil dies zu Recht von uns erwartet und verlangt wird; dann aber setzen wir uns notwendig in Widerspruch zu anderen und werden zwingend immer auch Gegner haben.





DDr. FÜRST

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